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Ein pikantes Mönchsgeheimnis

REGION/LAND: Oberösterreich, Österreich
KOMMENTAR: Mit dem Fahrrad von Klosterkeller zu Klosterkeller – klingt doch gut! So nach Wein, Leckerbissen, Bier, Schnäpse, Liköre. Ich genoss sechs dieser „Genussgewölbe“, kombiniert mit kürzeren Radltouren bei den Mönchen in Reichersberg nahe der bayerischen Grenze, in Engelszell an der Donau, in Schlägl am Böhmerwald, in St. Florian bei Linz sowie in Kremsmünster und Schlierbach im Kremstal - aber auch viel herrliche Natur, Kultur und kalorienabbauende Pedaltritte.


Kultur- und Schmankerltour durch Oberösterreichs Klosterkeller

Pater Georg aus dem Stift St. Florian erläutert den Drahtesel-Rittern den Sinfonie-Weg. Foto: Reinhold Siegl
Pater Georg aus dem Stift St. Florian erläutert den Drahtesel-Rittern den Sinfonie-Weg. Foto: Reinhold Siegl

„Ich geh´ ins Kloster“ – dieser volksnahe, uralte Spruch ist nach wie vor „trendig“, wenn sich Leute in schwierigen Situationen befinden. Diesen weisen Spruch wandelte ich in „ich genieße im Kloster“ um. Klingt doch viel angenehmer! So nach Freizeit, Urlaub, Kultur, Schmankerln. Und warum gehen? Mit dem Fahrrad dahintreten, ist doch viel freudvoller. Einfach ohne Uhr, Hektik, nur mit Pulsschlag zwischen 80 und 100 pro Minute, mit Kamera und Gucker im Rucksack sechs oberösterreichische Klöster geheimnisvoll, schweißtreibend, kulturell und kalorienreich zu erleben. Etwa die Zeichensprache der schweigsamen Mönche in Engelszell, das Speisen mit Biergeschmack in Schlägl, das Geheimnis des richtigen Käsegenießens in Schlierbach. Von Klosterkeller zu Klosterkeller – klingt doch gut! So nach Wein, Leckerbissen, Bier, Schnäpse, Liköre. Ich genoss sechs dieser „Genussgewölbe“, kombiniert mit kürzeren Radltouren bei den Mönchen in Reichersberg nahe der bayerischen Grenze, in Engelszell an der Donau, in Schlägl am Böhmerwald, in St. Florian bei Linz sowie in Kremsmünster und Schlierbach im Kremstal - aber auch viel herrliche Natur, Kultur und kalorienabbauende Pedaltritte.

 

Da steht das über 900 Jahre alte Augustiner-Chorherrenstift Reichersberg am Inn inmitten einer riesigen „Vogeloper“, in einem einzigartigen Naturparadies, das über 300 Vogelarten als Flughafen dient. Strampelnd geht’s durch diese Aulandschaft über Obernberg (Österreichs schönster Marktplatz), Kirchdorf, Schloss Frauenstein ins bayrische Ering (Zentrum des Vogelschutz-Europareservats) nach Aigen und zurück nach Reichersberg. Ein 40 Kilometer langer Biologie-Unterricht im Radsattel, oft durch ohrenbetäubende Vogelgeräusche untermauert. Mit Brotsuppe, Käseschnitzel und Klosterkäse wartet anschließend ein typisches Klostermenü, dazu erlesene Getränke aus der Gewölbe-Vinothek und ein Klosterladen. So genährt, sind Kreuzgang, Bibliothek und Stiftskirche noch eindrucksvoller – und vielleicht kurvt gerade ein Mönch in seiner Kutte auf einem „heißen Eisen“ umher. Der Reichersberger Chorherr Werner gründete vor drei Jahren einen Motorradklub, ist Sommelier und Autor einiger Bücher mit Anekdoten aus österreichischen und bayrischen Klöstern.

 

Weltberühmt ist das Stift Engelszell, wo die schweigsamen Trappistenmönche ihren Magenbitter-Likör herstellen. Pförtner Reinhard schwört auf diese „Medizin“ aus 42 verschiedenen Kräutern: „Ein Schluck morgens, einer abends, keine Magenprobleme, Grippe oder Blähungen“. Gerne plaudert er mit den Käufern der 12 Likörarten, der Trappisten-Käsesorten und der Kräuter kleine Geheimnisse aus – ansonsten üben sich die Mönche jedoch im „schweigsamen Fleiß“ oder unterhalten sich in ihrer 37 Zeichen umfassenden Sprache. Sprachlos werden die Drahtesel-Ritter auch ein wenig auf der Radfahrroute vom Kloster nach Kasten, zur Donau-Fähre nach Obernzell/Bayern, weiter zum Kraftwerk Jochenstein bis zur Fähre hinüber nach Engelhartszell. Eine flache Spur, fast immer entlang der Donau, die etwas Besonderes bietet: Klingeln bei der Fähre - ansonsten kommt der Fährmann nicht!! Falls dem wackeren Radler dann nach Schweigen zumute ist, er die „Stummerlsprache“ der Mönche erlernen will, so steht ihm das Angebot „Kloster auf Zeit“ zur Verfügung.

 


Reichlich Beute machen die Padres von Kremsmünster im Stiftseigenen Fischkotter - der passende Wein steht schon bereit. Foto: Reinhold Siegl
Reichlich Beute machen die Padres von Kremsmünster im Stiftseigenen Fischkotter - der passende Wein steht schon bereit. Foto: Reinhold Siegl

Weniger schweigsam geht es im Schlägler Stiftskeller zu. „Gönn´ dir einen Schluck Heimat“, lautet dort der Slogan. Neun Biersorten, hergestellt aus weichem Granit-Quellwasser, Hopfen und Malz aus der Region und geheimer Rezeptur laden dazu ein. Österreichs einzige Stiftsbierbrauerei blickt bereits auf 422 Jahre Erfahrung zurück, das Prämonstratenser Stift auf bald 800 Jahre. Logisch, dass die meisten „Gewölbespeisen“ Biergeschmack aufweisen: Bierfleischgerichte, Malzbiersäfte, Urquell-Sauerkraut. Über die „Neuner-Pfiff“-Bierverkostung sollten sich Radler aber erst nach der Tour entlang des Schwarzenbergischen Schwemmkanals wagen. Ein kleines Weltwunder, das den Holztransport per Wasserkraft aus dem Böhmerwald bis nach Budapest ermöglichte. Abt Martin Fellhofer und sein Kämmerer Markus schwärmen von der Moldaustausee-Tour nach Südböhmen (Reisepass!) oder von der österreichischen Variante Schöneben/Moldaublick und retour. Einen bezaubernden Kunstgenuss bieten Bildergalerie, Bibliothek, Kirche und Kunstsammlung. 

 

Die zweite „Halbzeit“ startet mit dem Stift St. Florian bei Linz, wo die Radlerohren mit Sinfonieklängen verwöhnt werden. Das Tongenie Anton Bruckner begleitet die Gäste auf Schritt und Pedaltritt: In der Stiftskirche die weltberühmte Bruckner-Orgel und Bruckners Grabstätte, die Radspur schlängelt sich über die Bruckner-Straße zu zehn Bruckner-Sinfonie-Stationen (Kopfhörer ausborgen!!) zum Bruckner-Geburtshaus und Bruckner-Center nach Ansfelden und wieder retour über Güterwege zum Stift (etwa 22 km). Vorsicht, zeitweise geht es über Feld- und Waldwege! Augustiner-Chorherr Georg führt gerne durch das „Bruckner-Stift“ mit dem prächtigen Marmorsaal, den Altdorfer Bildern, der 140.000 Bücher umfassenden Bibliothek und den Bruckner-Blickpunkten. Und dann noch zum „G´selchten mit Grießknödeln“ - Bruckners Lieblingsspeise!

 

Saibling aus dem einzigartigen barocken Stifts-Fischkotter, dazu ein Vierterl „Steiner Hund“ aus dem Stiftskeller und eine Tassilo-Torte aus der Stiftsküche – das empfiehlt Pater Kilian vom Stift Kremsmünster. Er stellte auch das „Rad-Menü“ über Schloss Achleiten (Residenz der österreichischen Reitolympiasiegerin Sissy Max-Theurer), die Schacherteiche, Weigersdorf und Ried zurück zum Stift zusammen (etwa 25 km). Eine Route, die Dichter Adalbert Stifter, ein Absolvent des Stiftgymnasiums, liebte und darüber schrieb: „Nur wer die Langsamkeit entdeckt, kann die Stimme der Landschaft hören“. Langsam sollte man auch die weltberühmte Stiftssternwarte (gilt als Europas ältestes noch erhaltenes Hochhaus), den Tassilo-Kelch und den Kaisersaal in sich aufnehmen.


Pförtner Reinhard präsentiert die bekannten Liköre, die im Stift Engelszell hergestellt werden. Foto: TV Engelhartszell/Wiesner
Pförtner Reinhard präsentiert die bekannten Liköre, die im Stift Engelszell hergestellt werden. Foto: TV Engelhartszell/Wiesner

Mit dem Zisterzienser-Kleinod Schlierbach endet würdig das Kloster-Speichenspektakel kreuz und quer durch Oberösterreich. Pater Alfred, Leiter der weltweit bekannten Glasarbeiten und begeisterter Radler liebt die Strecke nach Sautern, Wartberg, retour zum Stift, jene zur Inzersdorfer Madonna oder kombiniert mit Oberschlierbach (zwischen 15 und 40 km). Prächtige Ausblicke warten außerhalb des Stifts – innerhalb die Anblicke einer Marien-Madonna, eines Kreuzganges, des Festsaals, einer Bibliothek... Ja, und nachher nichts wie hin zur Schaukäserei, wo über die Herstellung von zwölf Weichkäsesorten informiert und damit auch animiert wird, diese zu verkosten. Wie man den gelben oder roten Original-Schlierbacher als Gourmand genießt? Nach dem Ablaufdatum bei Zimmertemperatur auspacken - „dann stinkt es“, behaupten Banausen -, keine würzigen Zutaten und keine Butter dazu, dafür Honig oder ein Schluckerl Spätlese. Ja, die Mönche wissen schon seit Jahrhunderten, wie es sich hinter Klostermauern gut leben lässt.

 


Information:

Die Radrouten zu den sechs Klöstern:

Stift Reichersberg am Inn: Eine etwa 40 km lange, leichte Radroute entlang des Inns von Reichersberg über Obernberg am Inn und Kirchdorf nach Frauenstein und Ering. Über Aigen, Egglfing und Obernberg geht’s wieder zurück nach Reichersberg.

Stift Engelszell: Eine etwa 40 km lange, leichte Tour, meist auf dem bekannten Donauradweg auf österreichischer und bayerischer Seite. Vom Kloster nach Kasten, zur Donau-Fähre nach Obernzell/Bayern, weiter zum Kraftwerk Jochenstein und von dort bis zur Fähre retour nach Engelhartszell.

Stift Schlägl: Zwei Touren stehen zur Wahl, die Moldaustauseetour (45 km lang, Reisepass nicht vergessen!) und die 35 km lange Route über Sonnwald und Schöneben zum Moldaublick. Anspruchsvolle Radfahrten durch die Hügel des Böhmerwaldes, die aber entlang des Schwarzenbergischen Schwemmkanales fast eben verlaufen.

Stift St. Florian bei Linz: Eine 22 km lange Fahrt auf dem Bruckner-Sinfonie-Weg mit zehn Stationen, an denen mittels geliehener Kopfhörer Musik des Kompnisten Anton Bruckner zu hören ist. Der Weg von St. Florian nach Ansfelden und zurück führt teilweise über Feld- und Wiesenwege.

Stift Kremsmünster: Die Radtour von Kremsmünster über Achleiten, Henndorf, die Schacherteiche, Haid, Weigersdorf, Ried und retour ist etwa 25 km lang mit einigen kurzen Anstiegen. Sie führt großteils über Rad- und Güterwege.

Stift Schlierbach: Radrouten zwischen 15 und 40 km Länge führen von Schlierbach nach Wartberg, Inzersdorf oder Oberschlierbach. Schwierigkeits-grad mittel bis leicht, bis auf die „Bergwertung“ nach Oberschlierbach.

OÖ Tourismus-Info:
Freistädter Straße 119
, A-4041 Linz, Tel. +43/(0)732/221022, Fax +43/(0)732/72 77-701; E-Mail: info(at)oberoesterreich.at, Internet: www.oberoesterreich.at

 





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