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Rajasthan

REGION/LAND: Rajasthan, Indien
KOMMENTAR: Wer sich auf diese Reise in eine andere Welt und neu Dimension begibt, wird die Welt danach anders sehen. 


Geträumte Wirklichkeit

Freskenmalerei im Chitrashala Foto: ©Olaf Krüger
Freskenmalerei im Chitrashala Foto: ©Olaf Krüger
Freskenmalerei im Chitrashala Foto: ©Olaf Krüger
Freskenmalerei im Chitrashala Foto: ©Olaf Krüger

Der Palast von Bundi, Fotos: © Olaf Krüger
Der Palast von Bundi, Fotos: © Olaf Krüger

DAS CHITRASHALA IM GARH-PALAST IN BUNDI - RAJASTHANS VERGESSENER STADT

 

Von OLAF KRÜGER

 

Langsam erwacht die alte Stadt zu neuem Leben. Aus dem blauen Häusermeer dringen gedämpfte Laute zu mir hinauf, während sich in den gewölbten Dächern und Pavillons des Garh-Palastes die ersten Strahlen der Morgensonne verfangen.


"Der Palast von Bundi wirkt selbst am hellen Tag noch wie ein Palast, der in unruhigen Träumen erbaut wurde," befand Rudyard Kipling 1899, "ein Werk von Kobolden und nicht von Menschen."

 

Um die Herkunft der Herrscher von Bundi ranken sich mythische Überlieferungen. Der Sage nach entstammen sie dem Kriegerclan der Hara Chauhan, der durch eine Feuertaufe auf dem Gipfel des Berges Abu geschaffen worden sein soll. Als direkte Abkömmlinge des heiligen Feuers wähnten sie sich allen anderen Rajputen-Geschlechtern überlegen. ................

Die Sonne gewinnt spürbar an Intensität. Ich werfe einen letzten Blick durch den bröckelnden Zinnenkranz der Befestigungsmauer. Ein staubiger Pfad bringt mich hinab zum Hathi Pol, dem Elefantentor. Vor den riesigen Türflügeln wartet ein schmächtiger, unscheinbarer Mann auf mich. Ein ausgewaschenes Leinenhemd fällt ihm über die Schultern. .......................

 

wir stehen im Chitrashala, im Pavillon der Gemälde. Ich tauche ein in die Welt der höfischen Malerei, in einen Kosmos aus Bildgeschichten, Legenden und Mythen. Jeder Quadratzentimeter Wand um mich herum ist bedeckt mit jahrhundertealten Fresken. Der Bundikalam, der Malstil Bundis, hat über die Grenzen Rajasthans hinaus Berühmtheit erlangt. Hier, unter dem Protektorat kunstliebender Herrscher, in der inspirierenden Atmosphäre des Palastes, seiner Gärten und Terrassen, konnte sich eine Malschule entwickeln deren Anfänge bis ins 16. Jahrhundert zurückreichen. Als 1631 Rao Chhatrasal an die Macht kam, begann die Blütezeit des Bundikalam. Chhatrasal wurde zum Förderer der Künste, zum Lorenzo de Medici des Staates Bundi. Er erweiterte nicht nur den Palast um ein Glanzstück rajputischer Architektur, sondern schaffte darüber hinaus die idealen Voraussetzungen für die Entstehung einer eigenständigen Malschule in Bundi.

Der Genius des einzelnen Künstlers stand dabei nie im Vordergrund. Die Selbstinszenierung und Verherrlichung der eigenen Größe sind Phänomene der europäischen Renaissance.

In den Shilpashastras, den Textbüchern über die Kunst, wird der ideale Maler so dargestellt: "Er muss ein guter Mann sein, nicht zu bedächtig, nicht zum Zorn geneigt, heilig, gelehrt, seine Sinne hütend, gläubig und mildtätig, frei von Begehrlichkeit, mit solchen Tugenden muss er begabt sein."

 

 

Die Themenfülle an den Wänden und Pfeilern, in den Nischen und auf den Paneelen des Chitrashala überwältigt mich. Zu meinen Füßen, auf kastanienfarbenem Grund, eröffnen kämpfende Elefantenpaare den Bildreigen. Die mächtigen Schädel gegeneinander gestemmt und die Stoßzähne ineinander verkeilt, scheinen die Tiere in perfekter Symmetrie zu verharren. Noch in diesem Jahrhundert berauschten sich die Maharajas von Udaipur an inszenierten Elefantenkämpfen erzählt man mir später. Mein Blick wandert höher, wird konfrontiert mit Schlachtengetümmel in epischer Breite, mit detailverliebten Darstellungen von Ross und Reiter. Immer wieder werden Teile des Garh-Palastes gezeigt. Ich glaube den Audienzsaal mit dem weißen Marmorthron zu erkennen. Von bezaubernder Leichtigkeit ist das Bildnis einer jungen Frau vor türkisfarbenem Hintergrund: auf ihrer rechten Hand sehe ich einen exotischen Vogel mit dem sie ein inniges Zwiegespräch zu führen scheint. Ein zarter, golddurchsetzter Schleier umrahmt ihr Profil.

Kein Motiv aber erfreute sich bei den Auftraggebern und Malern größerer Beliebtheit als Krishna, die achte Inkarnation des Gottes Vishnu. Im Chitrashala entdecke ich viele Episoden, die ihn als Liebhaber der Gopis, der Hirtenmädchen zeigen. Mit seiner Zauberflöte erweckt er ihr Verlangen und spielt ihnen pikante Streiche. Während die nichtsahnenden Gopis im Fluss baden, raubt ihnen Krishna die Kleider und hängt sie in einen Baum. Dem Maler dieser Szene ist es wunderbar gelungen, die Überraschung und ängstliche Scheu der Mädchen festzuhalten als sie ihr Dilemma erfassen.


INFO RAJASTHAN/BUNDI
Mit einer Fläche von 342.000 Quadratkilometern ist Rajasthan fast so groß wie die Bundesrepublik Deutschland. Der zweitgrößte Bundesstaat Indiens hat nach offiziellen Schätzungen eine Bevölkerungszahl von über 50 Millionen.
Die Stadt Bundi mit ihren 65.000 Einwohnern liegt gut 120 Kilometer südlich von Jaipur und nur eine Zugstunde vom berühmten Ranthambore National Park entfernt. Ein Ausflug dorthin lohnt sich: kaum ein anderer Park in Indien bietet größere Chancen, einen Tiger in freier Natur zu sehen.

 

Weitere Informationen
über Bundi und Indien finden Sie auch beim Indien-Experten
www.olafkrueger.com 





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